Junge Autoren in Deutschland
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle ein Video vorstellen, welches von der Universität Tübingen, Studienfach Medienwissenschaft erstellt wurde. Das Video selbst geht direkt auf die Situation junger Autoren in Deutschland ein und führt den realen Sachverhalt vor Augen.
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Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch einmal kurz auf die Situation hier im Verlag selbst eingehen. Wir erhalten 3 bis 5 Manuskripteinsendungen oder Manuskriptvorschläge am Tag, und dies 7 Tage in der Woche. Dies macht im Jahr mehr als 1000 Manuskriptanfragen nur hier an unseren Verlag aus. Und so gut wie jeder Autor, darunter ein großer Teil von Autoren unter 30 Jahren, die zu unserer Hauptzielgruppe zählen, hält sein Werk für Veröffentlichungsreif.
Nun sind wir jedoch ein recht kleiner Verlag mit gerade einmal 8 festen Mitarbeitern im internen Bereich und einer Handvoll im Vertrieb und Produktion. Unsere Publikationsrate liegt bei etwa 25 Buchtiteln im Jahr, ohne eBookversionen und Auftragsarbeiten. Aus den mehr als 1000 Manuskriptanfragen sind dies etwa 2% der Anfragen, die tatsächlich angenommen und umgesetzt werden. Wir arbeiten zwar daran unsere Publikationsrate zu erhöhen, aber in Proportion steigen die Manuskriptangebote aber auch mit jedem neuen im Handel verfügbaren Titel.
Alleine aufgrund der massiven Einsendungen können wir nur solche Manuskripte ausführlicher bewerten, welche entweder von einem Autoren stammen, welcher bereits bei uns im Hause veröffentlich hatte, oder die Beschreibung und kurze Leseprobe uns direkt anspricht. Dennoch ermutigen wir auch unbekannte Autoren dazu uns Ihre Projekte zumindest vorzustellen, immer in der Hoffnung etwas wirklich besonderes zu finden.
Dabei haben wir in unseren Kernbereichen, also Kryptozoologie, KryptoFiction, Forteanik (Grenzwissenschaften und Phänomene), Naturphänomene und spezielle Themenreihen unter “Sinnliche Seiten” (z.B. BBW, Retroerotik) nur geringen Zulauf, obwohl wir in diesen Bereichen gezielt suchen und jedes angebotene Projekt ausführlich prüfen und gerne übernehmen, zumal wir in diesen Bereichen unsere Hauptumsätze erzielen.
Allerdings sind 75% aller Einsendungen belletristische Werke aus dem Genre Vampire, Fantasy und Horror, Liebesgeschichten und Mainstreamerotik. Dazu kommen 15% an autobiografischen Werken und beinahe 10% an diversen Ratgebern. Ein großer Teil unserer Arbeitszeit ist nur mit dem Sichten von solchen Manuskriptangeboten und der Beantwortung von Anfragen befasst.
Wenn dann dazu z.B. im Zuge einer unserer internen Ausschreibungen eine überraschend hohe Teilnahme erfolgt oder technische Schwierigkeiten auftreten, wie etwa durch unseren Verlagsumzug bedingt, kommen wir mit der Abarbeitung nicht mehr nach und müssen Probleme beseitigen, was zu einem Arbeitsstau und Verspätungen im Programm führt.
Interessanterweise sind gerade bei den jungen Autoren mit einem Erstlingswerk dann viele darunter, die schon bei der Manuskripteinsendung behaupten, dass dieses Buch ein Bestseller werden wird und sich schon mit hohen Gewinnmargen befassen, einige sogar vorab noch Anzahlungen verhandeln wollen. Wir als kleiner Verlag können uns dies aber gar nicht erlauben, denn die Realität sieht anders aus. Andere sind enttäuscht darüber, wenn ihr Projekt nicht innerhalb weniger Wochen nach Einsendung im Buchhandel verfügbar ist.
Gerade auf dem Belletristik-Markt ist es so gut wie unmöglich als kleiner Verlag einen Bestseller zu landen, schon gar nicht mit einem unbekannten deutschen Autoren. Hierzu gehört eine unheimliche Menge an Glück, so dass ein großer Gewinn im Lotto oder bei der Glücksspirale diesem etwa gleichkommt. Dies liegt aber oftmals nicht an der Qualität der Werke selbst, sondern einfach daran, dass der Markt im Belletristikbereich von großen Verlagsketten beherrscht wird, die lieber billig bereits im Ausland erfolgreiche Titel ankaufen und übersetzen lassen. Dies ist billiger als einen unbekannten deutschen Autoren zu vertreiben und per teuren Promotionaktionen zu pushen. Nur Prominente oder Autoren mit einem bereits gewissen Erfolg auf dem deutschen Markt werden hier bevorzugt.
Wir als noch relativ kleiner Verlag können z.B. bei solchen Geschäftspraktiken kaum mithalten. Unsere Grundauflagen sind kleiner als jene der Großverlage. So ist z.B. das Risiko einer Grundauflage von 25.000 Exemplaren eines Titels für uns zu hoch, so dass wir Grundauflagen ausschließlich im Hunderter- oder je nach Projekt im Tausenderbereich auflegen. Können die großen Verlage hier die Produktionskosten durch die große Menge senken und zudem ein höheres finanzielles Risiko tragen, sind bei kleineren Mengen die Produktionspreise höher. So können wir z.B. kein Taschenbuch mit 400 Seiten für 6 € anbieten, da wir in diesem Fall beim Vertrieb über den Handel sogar noch ein dickes Minus machen würden.
60% unserer Publikationen erwirtschaften die Produktionskosten innerhalb weniger Wochen und erzielen daraufhin einen Gewinn. Dies sind allerdings zumeist Publikationen aus unseren Kernbereichen. Etwa 30% unserer Publikationen verkaufen sich nur langsam und benötigen Monate, um in einen Gewinnbereich zu gelangen. Dazu kommen noch etwa 8% an schleppenden Titeln, die kaum Zuspruch beim Leser finden und teilweise mehr als ein oder zwei Jahre benötigen, um endlich entsprechende Ergebnisse zur Abdeckung der Produktionskosten zu erzielen. Schließlich haben wir aber auch einen Verlustanteil an 2% unserer Publikationen, die sich lediglich einen Leserkreis erkämpfen können, der kaum mehr als eine Telefonzelle oder eine Bushaltestelle im Kalenderjahr füllen kann. Dies ist aber das Verlagsrisiko und wir haben diese Titel ausgewählt und sind von einem möglichen Erfolg ausgegangen, auch wenn sich diese Titel als völlige Flops herausstellen.
Die Verkaufsverteilung zeigt allerdings klar auf, dass wir unsere Gewinne vornehmlich im Bereich unseres Kernprogramms einnehmen. Belletristik und Biografien spielen hier eine untergeordnete Rolle, da wir hier einen harten Wettbewerb mit den Großverlagen als auch den Selbstverlegern (Books on Demand) haben.
Die Margen unserer Autoren sind dabei ziemlich gestaffelt. In den Kernbereichen gibt es durchaus einige hundert Euro im Quartal zu verdinen, die Regel sieht aber so aus, das gerade im Bereich Belletristik die Autorenmargen im Quartal etwa die Höhe eines netten Abendessens erzielen.
Letztendlich haben wir einige Titel in unserem Programm, die sich zwar relativ gut verkaufen, aber einen wirklich kommerziellen Bestseller im Sinne der Verkaufscharts konnten wir in den fünf Jahren unseres Verlagsbestehens nicht landen. Die Gewinne des Verlags reichen aus um unsere Kosten zu decken und neue Projekte anzugehen, aber bei weitem nicht um uns auf Risikogeschäfte einlassen oder unser Personal kurzfristig um mehrere dutzend Mitarbeiter aufstocken zu können.